Wie der Deutschunterricht sich elegant selbst abschafft
Das Bildungswesen hat wieder eine einfache Lösung gefunden. Wenn etwas nicht mehr klappt, wird es einfach nicht mehr bewertet. Schleswig-Holstein will Rechtschreibfehler in Deutsch-Arbeiten kaum noch zählen lassen, Baden-Württemberg applaudiert und Ministerpräsident Kretschmann verweist auf die Autokorrektur. Wenn das Smartphone alles richtet, warum sollten Schüler noch wissen, wie man schreibt.
Die Idee ist bestechend bequem. Fehler sind weiterhin da, sie sind nur egal. Das ist ungefähr so, als würde man beim Rechnen falsche Ergebnisse akzeptieren, weil Taschenrechner existieren. Im Deutschunterricht scheint das logisch zu sein. Sprache wird zur Gefühlssache, Inhalt zählt, Form nervt. Dass Sprache ohne Form nicht funktioniert, stört dabei niemanden.
Tatsächlich sagt diese Reform mehr über das System als über die Schüler. Man traut vielen schlicht nicht mehr zu, die Grundlagen zu lernen. Also senkt man den Anspruch, statt ihn zu erklären, zu üben und einzufordern. Das verkauft man dann als Fortschritt. Probleme verschwinden nicht, wenn man sie aus der Note streicht, sie tauchen nur später wieder auf.
Ironischerweise dort, wo es ernst wird. In Bewerbungen, im Berufsleben, in jeder Situation, in der Sprache mehr sein muss als nett gemeint. Autokorrektur hilft dann nur begrenzt. Hessen hält weiterhin daran fest, dass Rechtschreibung zählt. Man muss es inzwischen ja schon lobend erwähnen, dass wir hier wenigstens in dieser Beziehung noch ganz normal ticken.
Disclaimer: Dieser Beitrag stellt eine persönliche Meinungsäußerung im Sinne von Artikel 5 Absatz 1 Grundgesetz dar. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und enthält keine Tatsachenbehauptungen über einzelne Personen oder Institutionen, sondern eine allgemeine kritische Bewertung bildungspolitischer Entwicklungen.
© 2025 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert
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