Silvester zwischen Appellen zur Rücksichtnahme und der Realität in den Städten
Vor ein paar Jahren wurde in Deutschland verstärkt dazu aufgerufen, an Silvester freiwillig auf privates Feuerwerk zu verzichten. Hintergrund waren unter anderem Hinweise darauf, dass Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten durch laute Knallgeräusche und Explosionen an traumatische Erlebnisse erinnert werden könnten. Der Appell richtete sich an die Gesellschaft insgesamt und zielte auf Rücksichtnahme und ein friedliches Miteinander zum Jahreswechsel.
Aktuell zeigt sich in vielen Großstädten jedoch ein anderes Bild. Polizei und Rettungsdienste berichten regelmäßig von Einsätzen rund um den Jahreswechsel, bei denen Feuerwerkskörper nicht nur gezündet, sondern gezielt eingesetzt werden. In einzelnen Fällen kommt es zu Sachbeschädigungen, gefährlichen Situationen im öffentlichen Raum sowie zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Anwohner schildern ein stark eingeschränktes Sicherheitsgefühl, insbesondere in dicht besiedelten Innenstadtbereichen.
Dabei fällt auf, dass ein Teil der Beteiligten aus sozialen Milieus stammt, zu denen auch Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung gehören. Diese Beobachtung wird in der öffentlichen Debatte häufig sensibel behandelt, da sie leicht missverstanden werden kann. Entscheidend ist jedoch die klare Trennung zwischen Herkunft und Verhalten. Regelverstöße, Gewalt oder Bedrohungen sind individuelle Handlungen und dürfen weder verharmlost noch pauschalisiert werden.
Gerade vor dem Hintergrund der früheren Appelle zur Rücksichtnahme wirkt die aktuelle Entwicklung für viele Bürger widersprüchlich. Rücksicht kann nur dann glaubwürdig sein, wenn sie auf Gegenseitigkeit beruht und nicht einseitig eingefordert wird. Wer in Deutschland lebt, unabhängig von Herkunft oder Aufenthaltsstatus, unterliegt denselben gesetzlichen Regeln und Pflichten.
Kommunen und Sicherheitsbehörden stehen damit vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Einerseits gilt es, Integration und Prävention weiter zu stärken. Andererseits ist eine konsequente Durchsetzung bestehender Regeln notwendig, um Sicherheit und Vertrauen im öffentlichen Raum zu gewährleisten. Moralische Appelle allein reichen dafür nicht aus.
Eine sachliche Auseinandersetzung mit den Entwicklungen rund um Silvester bleibt notwendig. Sie sollte ohne Pauschalurteile geführt werden, gleichzeitig aber Probleme klar benennen. Nur so lassen sich Lösungen finden, die sowohl den Schutz der Bevölkerung als auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Blick behalten.
Es darf nicht sein, dass sich Polizei zum Eigenschutz aus bestimmten Bereichen zurückziehen muss. Wo staatliche Ordnungskräfte nicht mehr handlungsfähig sind, entstehen faktisch rechtsfreie Räume. Das untergräbt das Vertrauen in den Rechtsstaat und gefährdet die Sicherheit aller.
Gleiches gilt für Feuerwehr und Rettungsdienst, die immer häufiger angegriffen, behindert oder bewusst in Gefahr gebracht werden. Wer Brände löscht, Menschen aus Trümmern holt oder Leben rettet, darf dabei nicht um die eigene Sicherheit fürchten müssen.
Der Schutz von Polizei, Feuerwehr und Rettungskräften ist keine Nebensache, sondern Grundvoraussetzung dafür, dass Recht, Ordnung und Hilfeleistung überall durchgesetzt werden können. Wo Einsatzkräfte nicht mehr geschützt sind, verliert der Staat seine Handlungsfähigkeit und die Gesellschaft ihre Sicherheit.
Disclaimer: Dieser Beitrag beschreibt beobachtbare Entwicklungen und ordnet sie sachlich ein. Er enthält keine pauschalen Bewertungen von Bevölkerungsgruppen. Die Darstellung fällt unter die durch Artikel 5 Absatz 1 des Grundgesetzes geschützte Meinungsfreiheit.
© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert
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