Politik auf dem Rücken der Kranken

Krank ist nicht „faul“ – Merz’ Spruch ist ein politischer Kurzschluss

Friedrich Merz wurde öffentlich mit Aussagen zitiert, wonach die Deutschen zu oft krank seien und wieder mehr arbeiten müssten. Das klingt nach harter Wirtschaftsansage, ist in der Sache aber vor allem eins: eine gefährliche Vereinfachung.

Denn krank ist nicht „bequem“. Krank ist krank. Wer hohe Krankheitszahlen pauschal als fehlende Arbeitsmoral deutet, trifft Millionen Beschäftigte, die den Laden täglich am Laufen halten, oft unter Bedingungen, die längst jenseits von gesund sind. Viele fehlen nicht, weil sie keine Lust haben, sondern weil Überlastung, Stress, Schichtsysteme und Personalmangel in vielen Branchen zum Dauerzustand geworden sind.

Wenn man ein Problem mit hohen Krankenständen hat, muss man über Ursachen sprechen, nicht über Verdächtigungen. Wer stattdessen moralisiert, verschiebt die Debatte: weg von Arbeitsbedingungen, weg von kaputten Abläufen, weg von einem Gesundheitssystem mit Wartezeiten und Engpässen, hin zu einer Erzählung, die am Ende beim Generalverdacht gegen Beschäftigte landet.

Besonders schädlich ist dabei die Botschaft, die bei solchen Aussagen hängen bleiben kann: Wer krank ist, ist verdächtig. Das vergiftet Betriebsklima und sorgt im Zweifel dafür, dass Menschen krank zur Arbeit gehen, Probleme verschleppen und am Ende erst recht länger ausfallen. Das Ergebnis ist nicht mehr Leistung, sondern mehr Verschleiß.

Wenn Deutschland wirklich leistungsfähiger werden soll, dann nicht durch Sprüche, sondern durch Substanz: bessere Prävention, weniger Überlastung, realistische Personalplanung, vernünftige Arbeitsbedingungen und ein Gesundheitssystem, das wieder funktioniert. Denn wer Leistung will, muss Gesundheit ermöglichen. Alles andere bleibt Rhetorik, die nach Stärke klingt, aber am Ende die Falschen trifft.


Disclaimer: Dieser Beitrag ist ein Meinungsbeitrag im Sinne von Art. 5 Abs. 1 GG. Er dient der politischen Auseinandersetzung mit öffentlich berichteten Aussagen und enthält Werturteile, Zuspitzungen und Bewertungen im Rahmen zulässiger Meinungsäußerung. Eine sinngemäße Wiedergabe erfolgt auf Grundlage öffentlich zugänglicher Berichterstattung; es wird keine Gewähr für die wortgetreue oder vollständige Wiedergabe übernommen. Tatsachenbehauptungen über private Umstände einzelner Personen werden nicht aufgestellt. Sofern Zitate verwendet werden, werden sie als solche kenntlich gemacht.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert


 


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