Nicht Trump ist das Problem, sondern Infantino!

Wenn ein einziger Anruf genügt, hat die FIFA längst ihr größtes Glaubwürdigkeitsproblem.

Donald Trump macht das, was Donald Trump seit Jahrzehnten macht. Er versucht Einfluss zu nehmen. „Make America Great Again!“ Ob man das gut findet oder nicht, überrascht daran niemanden mehr. Wer glaubt, Politiker würden hinter verschlossenen Türen niemals zum Telefon greifen, glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann. Politik und Lobbyismus gehen seit jeher Hand in Hand.

Das eigentliche Problem sitzt deshalb aus meiner Sicht nicht im Weißen Haus, sondern an der Spitze der FIFA.

Denn die entscheidende Frage lautet nicht, wer anruft. Die entscheidende Frage lautet, warum ein Anruf überhaupt den Eindruck erwecken kann, irgendeinen Einfluss auf sportliche Entscheidungen zu haben.

Wenn die FIFA heute erklären muss, ihre Gremien seien selbstverständlich unabhängig, dann zeigt das bereits, wie groß das Glaubwürdigkeitsproblem geworden ist. Vertrauen entsteht nicht durch Pressemitteilungen, sondern dadurch, dass gar nicht erst der Verdacht entsteht, mächtige Personen könnten Sonderbehandlungen erhalten.

Sollte die Entscheidung über die Aufhebung der Sperre ausschließlich nach den geltenden Regeln getroffen worden sein, hätte die FIFA genau das nachvollziehbar und transparent darlegen müssen. Stattdessen bleibt weltweit der Eindruck zurück, dass Nähe zur Macht zumindest Fragen aufwirft. Und genau diesen Eindruck hat sich die FIFA selbst zuzuschreiben.

Gianni Infantino trägt als FIFA-Präsident die Verantwortung dafür, dass der Fußball als fairer Wettbewerb wahrgenommen wird. Wer sich regelmäßig mit Staats- und Regierungschefs präsentiert, politische Nähe sucht und anschließend Entscheidungen erklärt, die zeitlich unmittelbar nach entsprechenden Kontakten erfolgen, darf sich über kritische Fragen nicht wundern.

Ein Präsident kann anrufen, so oft er möchte. Ein Verbandschef muss trotzdem in der Lage sein, jede Form des politischen Einflusses sichtbar und glaubwürdig auf Distanz zu halten.

Deshalb sehe ich den eigentlichen Skandal nicht bei Donald Trump. Politiker versuchen ständig, ihre Interessen durchzusetzen. Das gehört zur politischen Realität.

Der eigentliche Skandal wäre, wenn eine Organisation wie die FIFA den Eindruck entstehen lässt, ihre Entscheidungen könnten durch politische Prominenz oder persönliche Beziehungen beeinflusst werden.

Nicht der Anruf beschädigt den Fußball.

Der mögliche Eindruck, dass ein Anruf etwas bewirken könnte, beschädigt ihn.


Disclaimer: Dieser Kommentar gibt eine persönliche politische Bewertung wieder. Er stützt sich auf öffentlich berichtete Vorgänge und erhebt keine Tatsachenbehauptung darüber, dass Entscheidungen der FIFA tatsächlich aufgrund politischer Einflussnahme getroffen wurden.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert


 


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