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Wenn Selbstkritik ausfällt, muss eben ein Verbotsverfahren her
Man muss es der CDU lassen: Sie besitzt inzwischen ein geradezu beeindruckendes Talent, Wahlergebnisse und Umfragen zu betrachten und anschließend genau das Gegenteil dessen zu tun, was man politisch daraus ableiten könnte.
Die neueste INSA Sonntagsfrage liefert dafür reichlich Anschauungsmaterial. Die Union fällt bundesweit auf 19,5 Prozent, während die AfD bei 29 Prozent steht. Satte 9,5 Prozentpunkte Abstand. Aus der einstigen Volkspartei CDU wird damit langsam eine Partei, die aufpassen muss, dass sie das Wort „Volkspartei“ nicht irgendwann nur noch aus historischen Gründen auf ihrer Internetseite stehen hat.
Und was macht Hendrik Wüst?
Fordert er einen politischen Kurswechsel? Fragt er sich, warum immer mehr frühere Unionswähler ihrer Partei den Rücken kehren? Beschäftigt er sich damit, warum die CDU in Sachsen Anhalt krachend abgestraft wurde?
Nein.
Wüst bringt lieber eine Bund Länder Arbeitsgruppe ins Spiel, die prüfen soll, welche rechtlichen Möglichkeiten es gegenüber der AfD gibt, ausdrücklich bis hin zu einem möglichen Parteiverbotsverfahren. Zwar betont er, dass die Prüfung ergebnisoffen sein müsse. Politisch bleibt trotzdem ein bemerkenswertes Bild: Die Konkurrenz läuft davon und die CDU diskutiert darüber, ob man den Konkurrenten juristisch von der Strecke bekommt.
Das ist ungefähr so, als würde ein Fußballtrainer nach einer 0:5 Niederlage nicht über Aufstellung, Taktik und Mannschaft sprechen, sondern erst einmal prüfen lassen, ob man den Tabellenführer vielleicht aus der Liga werfen könnte.
Besonders kurios wird es, wenn Wüst gleichzeitig als mögliche Zukunftshoffnung der Union gehandelt wird. Wer Friedrich Merz irgendwann beerben möchte, sollte vielleicht zunächst erklären können, wie aus einer Union mit Regierungsanspruch eine Partei unter 20 Prozent geworden ist.
Denn das eigentliche Problem der CDU heißt nicht AfD.
Es heißt Glaubwürdigkeitsverlust.
Viele Menschen haben über Jahre erlebt, wie die Union Positionen aufgegeben hat, die einmal ihr politischer Markenkern waren. Migration, Energiepolitik, Wirtschaft, innere Sicherheit, gesellschaftspolitische Fragen. Vieles wurde verschoben, relativiert oder dem jeweiligen politischen Zeitgeist angepasst. Und anschließend wundert man sich ernsthaft, dass ehemalige CDU Wähler ihre politische Heimat woanders suchen.
Hendrik Wüst verkörpert diesen Kurs nahezu perfekt. In Nordrhein Westfalen regiert er mit den Grünen, bundespolitisch sucht er demonstrativ die Abgrenzung nach rechts und beim Umgang mit der AfD wird inzwischen über institutionelle Prüfverfahren gesprochen.
Das kann man politisch vertreten.
Man sollte sich dann aber nicht darüber wundern, wenn konservative Wähler irgendwann feststellen, dass sie für diese Politik die CDU schlicht nicht mehr brauchen.
Die aktuelle INSA Zahl ist deshalb mehr als irgendeine Sonntagsfrage. Sie ist ein Warnsignal. Vor einem Jahr lag die Union in derselben Umfragereihe noch deutlich höher. Jetzt stehen dort 19,5 Prozent und gegenüber eine AfD mit 29 Prozent.
Und vielleicht liegt genau darin die größte Ironie.
Je häufiger die CDU über die AfD spricht, desto weniger spricht sie darüber, warum Menschen überhaupt AfD wählen.
Je stärker sie die Brandmauer beschwört, desto größer wird der Raum dahinter.
Und je verzweifelter sie versucht, die Konkurrenz zum eigentlichen Problem zu erklären, desto deutlicher erkennen viele Wähler das Problem inzwischen bei der CDU selbst.
Wenn Hendrik Wüst tatsächlich glaubt, dass ausgerechnet eine Debatte über ein mögliches AfD Verbot die Union wieder Richtung 30 Prozent führt, sollte man ihn vielleicht einfach machen lassen.
Die AfD müsste für eine solche Wahlkampfhilfe vermutlich Millionen bezahlen. Die CDU liefert sie derzeit kostenlos.
Disclaimer: Dieser Beitrag ist ein politischer Meinungsartikel. Wertungen und Zuspitzungen sind als solche zu verstehen. Umfragewerte bilden eine Momentaufnahme ab und sind keine Wahlprognose.
© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI – generiert
