ASP im Lahn-Dill-Kreis

Kilometerweise Zaun, Millionen im Rahmen und der Bürger soll einfach vertrauen

Wenn ich mir anschaue, was inzwischen rund um die Afrikanische Schweinepest im Lahn-Dill-Kreis passiert, bleiben bei mir vor allem zwei Dinge hängen: immer mehr Maßnahmen und immer mehr Geld.

Kilometerlange Zäune ziehen sich durch unsere Region. Dazu kommen Wartung, Reparaturen, Kadaversuchen, Drohneneinsätze und weitere Dienstleistungen. Alles mag für sich begründet werden können. Aber irgendwann möchte ich trotzdem wissen:

Was kostet uns dieser ganze Aufwand eigentlich wirklich und wer bekommt das Geld?

Für Mittel und Nordhessen wurde unter der Vergabenummer VG-0437-2026-0101 die Kontrolle, Wartung und Pflege von rund 66 Kilometern ASP-Festzaun ausgeschrieben. Die Strecke führt unter anderem über Biedenkopf, Eschenburg, Dillenburg und Haiger.

Also genau durch unsere Region.

Und natürlich ist es mit dem Aufbau eines Zaunes nicht getan. Er muss kontrolliert, repariert und gepflegt werden. Auch dafür entstehen laufend Kosten.

32,4 Millionen Euro möglicher Rahmen

Noch größere Dimensionen zeigt ein weiteres Vergabeverfahren.

Unter VG-0437-2026-0091 hat das Land Hessen Leistungen für die Organisation der strategischen Kadaversuche sowie technische und biologische Suchmaßnahmen ausgeschrieben. Das Verfahren umfasst drei Lose und wurde am 1. September 2026 als vergeben veröffentlicht.

Für die Rahmenvereinbarung wird in öffentlich zugänglichen Vergabeinformationen ein Höchstwert von rund 32,4 Millionen Euro genannt.

Damit das nicht falsch verstanden wird: Diese 32,4 Millionen Euro sind nicht automatisch bereits ausgegeben worden. Es handelt sich um den maximal möglichen Rahmen der Vereinbarung.

Aber mal ehrlich: Bei einer solchen Größenordnung darf man doch wohl fragen, wie viel davon tatsächlich abgerufen wird, wofür genau und welcher Anteil davon auf den Lahn-Dill-Kreis entfällt.

Ich möchte wissen, wer was macht

Was mich dabei zunehmend stört, ist die Unübersichtlichkeit.

Das Land ist zuständig, der Kreis ist zuständig, Unternehmen bauen, andere warten, weitere suchen Kadaver oder setzen Drohnen ein.

Am Ende blickt der normale Bürger kaum noch durch.

Dabei sind meine Fragen ziemlich einfach:

Wer hat die Zäune im Lahn-Dill-Kreis gebaut?

Wer wartet und repariert sie?

Wer führt Kadaversuchen durch?

Wer setzt Drohnen ein?

Wie viel Geld wurde dafür bislang tatsächlich bezahlt?

Und wer bezahlt am Ende welche Rechnung?

Für mich gehört das bei öffentlichen Geldern auf den Tisch.

Und dann bleibt noch die wichtigste Frage

Was bringen diese Maßnahmen tatsächlich?

Zäune sollen Wildschweinbewegungen begrenzen und damit die Ausbreitung der ASP eindämmen. Gleichzeitig zerschneiden sie Wildwechsel, greifen erheblich in die Landschaft ein und verursachen dauerhaft weitere Kosten.

Deshalb reicht es für mich nicht, einfach immer neue Zaunkilometer zu bauen und anschließend zu verkünden, wie viel getan wurde.

Ich möchte wissen, ob regelmäßig geprüft wird, was diese Maßnahmen tatsächlich bewirken.

Denn ein Zaun wird nicht automatisch sinnvoll, nur weil er viele Kilometer lang ist und viel Geld kostet.

Fragen sind kein Skandal

Ich unterstelle niemandem, dass bei den Vergaben etwas Unrechtmäßiges passiert.

Aber gerade deshalb sollte Transparenz eigentlich kein Problem sein.

Wenn öffentliche Aufträge in Millionenhöhe vergeben werden, dann möchte ich wissen, wer sie bekommt, welche Leistungen erbracht werden und was am Ende tatsächlich dafür bezahlt wird.

Das ist für mich keine Skandalisierung.

Das ist schlicht die Frage, wie mit öffentlichem Geld umgegangen wird.

Und genau deshalb bleibt für mich die entscheidende Frage:

Was kostet die ASP-Bekämpfung im Lahn-Dill-Kreis tatsächlich, wer erhält die Aufträge und welchen nachweisbaren Nutzen haben die Maßnahmen?

Diese Antworten sollten leichter zu bekommen sein als der nächste Zaun.


Quellen: Vergabeplattform des Landes Hessen, „ASP – Wartung Festzaun Mittel und Nordhessen“, Vergabenummer VG-0437-2026-0101. Die Vergabe ist auf der offiziellen hessischen Vergabeplattform dokumentiert. (Vergabeplattform Land Hessen)

Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, „Organisationsleitung der strategischen Kadaversuche sowie technische und biologische Kadaversuche“, Vergabenummer VG-0437-2026-0091, veröffentlicht am 6. Mai 2026, Zuschlag veröffentlicht am 1. September 2026. Die Vergabe umfasst drei Lose und den Abschluss einer Rahmenvereinbarung. (Publications Office of the EU)

Ergänzend wurden öffentlich zugängliche Angaben des Landes Hessen und des Lahn-Dill-Kreises zu ASP-Maßnahmen und Zuständigkeiten ausgewertet.


Disclaimer: Dieser Beitrag dient der sachlichen Information und persönlichen politischen Einordnung auf Grundlage öffentlich zugänglicher Quellen und Vergabeunterlagen. Fragen zu Zuständigkeiten, Auftragnehmern, Kosten oder zur Wirksamkeit einzelner Maßnahmen stellen ausdrücklich keine Behauptung eines Fehlverhaltens einzelner Personen, Unternehmen oder Behörden dar.

Es wird insbesondere kein unzulässiger Einfluss auf Vergabeverfahren, keine persönliche Bereicherung und kein rechtswidriges Handeln behauptet, sofern hierfür keine belastbaren und öffentlich nachvollziehbaren Belege vorliegen.

Genannte Auftragswerte, Rahmenhöchstwerte und Vergabevolumina sind von tatsächlich abgerufenen oder ausgezahlten Beträgen zu unterscheiden.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI – generiert


 

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