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Die Landesregierung stellt ihren neuen Krankenhausplan vor und riskiert damit, ländliche Regionen weiter zu schwächen. Wer in Hessen nicht in der Nähe einer Großstadt lebt, darf künftig wohl hoffen, dass der Notarzt rechtzeitig kommt.
Während in Wiesbaden von „Effizienz“ und „Nachhaltigkeit“ die Rede ist, steht hinter der neuen Krankenhausplanung in Hessen eine bittere Wahrheit: Das Land sortiert nach Rentabilität, nicht nach Lebenswirklichkeit. Die Regierung will im November 2025 ihren neuen Krankenhausplan beschließen, gestützt auf Bedarfsanalysen, Ambulantisierungstrends und demografische Prognosen. Klingt modern. Bedeutet in Wahrheit: Krankenhäuser, die sich „nicht rechnen“, drohen auf der Streichliste zu landen.
Schon die Begründung des Plans verrät die Denkrichtung: Der Fokus liege auf der „wirtschaftlichen Tragfähigkeit“ der Standorte. Damit verabschiedet sich das Land stillschweigend von der Idee, dass medizinische Versorgung eine öffentliche Aufgabe ist, keine betriebswirtschaftliche. Ein Krankenhaus in einer strukturschwachen Region ist per Definition „unwirtschaftlich“. Und genau das wird jetzt zum Problem.
Gerade Regionen wie Mittelhessen oder der Lahn-Dill-Kreis sind gefährdet. Wenn Häuser in Dillenburg, Biedenkopf oder Schotten ausgedünnt oder geschlossen werden, betrifft das nicht nur Patienten, sondern auch Hunderte Beschäftigte. Krankenhäuser sind oft die größten Arbeitgeber vor Ort, sie halten ganze Infrastrukturen am Leben. Fällt der Standort, folgt der Dominoeffekt: Ärzte wandern ab, Pflegekräfte pendeln oder kündigen, und die Region verliert Attraktivität.
Die Landespolitik aber redet von „Zentralisierung“ und „Ambulantisierung“, als wären diese Schlagworte eine Lösung. Tatsächlich bedeuten sie längere Wege, überlastete Notaufnahmen und mehr Abhängigkeit von Rettungsdiensten, die jetzt schon kaum hinterherkommen.
Selbst Experten bemängeln, dass die Finanzierungs- und Planungsinstrumente nicht sauber ineinandergreifen. Die „Mechanik“, wie es im Ärzteblatt heißt, „funktioniert an der ein oder anderen Stelle nicht“. Anders gesagt: Hessen plant mit Excel, aber nicht mit gesundem Menschenverstand. Eine Region ist keine Excel-Zelle. Menschen wohnen dort, nicht Zahlen.
In den ländlichen Räumen, wo Forst, Landwirtschaft und kleine Betriebe dominieren, ist ein Krankenhaus mehr als eine Klinik, es ist Standortfaktor und Sicherheitsnetz zugleich. Wenn ein Forstarbeiter bei der Arbeit verunglückt oder ein älterer Bewohner im abgelegenen Ortsteil einen Herzinfarkt hat, zählt jede Minute. Wer aber im „wirtschaftlich nicht tragfähigen Bereich“ lebt, wird künftig eben länger warten müssen.
So entsteht eine stille Spaltung: Ballungsräume mit medizinischer Vollversorgung und Landstriche, die sich selbst überlassen bleiben.
Hessen reformiert seine Krankenhauslandschaft, aber nicht im Sinne der Bürger. Es geht nicht um Gesundheit, sondern um Bilanzen.
Wer in Wiesbaden plant, hat offenbar vergessen, dass Gesundheit kein Geschäftsmodell ist.
Disclaimer: Dieser Beitrag stellt eine persönliche Meinungsäußerung im Sinne von Artikel 5 GG dar. Er erhebt keinen Anspruch auf juristische oder medizinische Beratung. Quellen: Ärzteblatt, medinfoweb.de, Presseinformationen des Landes Hessen.
© 2025 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert
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