Parteitag der Hessen-AfD in Neuhof

Getting your Trinity Audio player ready...

Stabil, geschlossen und selbstbewusst – die Hessen-AfD zeigt Stärke

Das Gemeindezentrum in Neuhof war gestern bis auf den letzten Platz gefüllt. Rund 400 Delegierte versammelten sich, so viele wie nie zuvor. Die starke Beteiligung spiegelte den Aufschwung der hessischen AfD wider: Seit Anfang 2024 ist die Mitgliederzahl von 2.839 auf 4.680 gestiegen. Der Zuspruch wächst und das spürte man in jeder Minute dieses Parteitags.

Bewährte Führung, klare Linie

Mit klarer Mehrheit bestätigten die Delegierten das Führungsduo Robert Lambrou und Andreas Lichert. Beide traten ohne Gegenkandidaten an, ein seltenes Zeichen der Einigkeit in der heutigen Parteienlandschaft. Lambrou erhielt 74,1 Prozent, Lichert 88,6 Prozent.

Während Lambrou für den bürgerlich-konservativen Kurs steht, gilt Lichert als Vertreter einer klaren, standhaften Linie. Zwischen beiden herrschte sichtbare Harmonie. Kein Streit, keine Spaltung, stattdessen gegenseitiger Respekt und ein gemeinsames Ziel: die AfD in Hessen weiter zu festigen.

Disziplin und Sacharbeit statt Skandalisierung

Trotz großem Polizeiaufgebot verlief der Parteitag ruhig und konzentriert. Keine Proteste, keine Zwischenfälle. Statt Symbolpolitik gab es Sacharbeit und Organisation. Lambrou kommentierte die Ruhe draußen mit spitzem Humor: „Wir fühlen uns gar nicht ernst genommen, so geht das nicht.“ Im Saal wurde gelacht, die Gelassenheit passte zur Stimmung einer Partei, die sich ihres Erfolgs sicher ist.

In seiner Rede kündigte Lambrou den nächsten Schritt an: „Der nächste Hammerschlag kommt bei der Kommunalwahl.“ Die AfD wolle künftig in deutlich mehr Stadt- und Gemeindeparlamenten vertreten sein. Besonders scharf kritisierte er die CDU, die durch das Aufweichen der Schuldenbremse „wirtschaftliche Grundsätze über Bord wirft“. Vernunft, Disziplin und Verantwortung, das waren die Leitworte seiner Ansprache.

Lichert: „Mut zur Wahrheit bleibt unser Kompass“

Co-Landessprecher Andreas Lichert nahm sich die Bundespolitik vor. Friedrich Merz habe in der „Stadtbild“-Debatte einmal etwas Richtiges gesagt und sei dafür von der eigenen Partei überrannt worden. Die CDU sei „chronisch feige“ geworden und habe ihre Wähler im Stich gelassen. Gleichzeitig warnte Lichert vor übertriebener Anpassung in den eigenen Reihen: „Professionalisierung darf nicht heißen, Prinzipien aufzugeben.“ Dafür bekam er langen Applaus.

Stabilität in den Ämtern und klare Strukturen

Auch die weiteren Vorstandswahlen verliefen ohne Kampfkandidaturen. Zu stellvertretenden Sprechern wurden Heiko Scholz, Pierre Lamely und Jan Nolte gewählt. Neuer Schatzmeister ist der Landtagsabgeordnete Roman Bausch, sein Vorgänger Bernd-Erich Vohl bleibt als Stellvertreter im Amt.

Im erweiterten Landesvorstand bestätigten die Delegierten mehrere bewährte Kräfte, wählten aber auch neue Gesichter hinzu.

Als Beisitzer gehören künftig Lothar Mulch, Olaf Schwaier und Maximilian Radmann dem Gremium an. Christine Anderson, Europaabgeordnete und profilierte Vertreterin der hessischen AfD auf europäischer Ebene, ergänzt den Vorstand als neue Beisitzerin.

Damit vereint die Landesführung Erfahrung, fachliche Breite und frischen Impuls, eine Mischung, die den künftigen Kurs der Partei prägen dürfte.

Klare Kante bei internen Problemen

Ein deutliches Signal setzte der Parteitag auch beim Thema Ordnung und Verantwortung. Mit rund 80 Prozent Mehrheit bestätigten die Delegierten die Absetzung des Offenbacher Kreisvorstands wegen Unregelmäßigkeiten in der Finanzführung. Das war kein bequemer, aber ein notwendiger Schritt und wurde im Saal als Zeichen interner Stärke gewertet.

Ehrenvorsitz für Albrecht Glaser

Mit minutenlangem Applaus ehrte der Parteitag Albrecht Glaser, Mitbegründer und Vordenker der AfD, der einst den hessischen Landesverband mit aufgebaut hatte. Der 83-Jährige wurde einstimmig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Lambrou lobte ihn als „Satzungspapst“ und Mann der klaren Linie, der entscheidend zur heutigen Struktur der Partei beigetragen habe.

Geschlossen, professionell, entschlossen. Der Parteitag in Neuhof war ein klares Signal: Die hessische AfD steht geschlossen, diszipliniert und mit Zuversicht da. Kein Chaos, keine Lagerkämpfe, sondern konzentrierte Arbeit, klare Botschaften und ein gemeinsamer Wille, Verantwortung zu übernehmen.

Wer den Tag miterlebte, spürte den Wandel: Aus einer oft unterschätzten Kraft ist eine gefestigte politische Bewegung geworden, die bereit ist, in Hessen mehr zu gestalten, als viele ihr zutrauen.


Disclaimer: Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Beobachtung und Einschätzung der Geschehnisse auf dem AfD-Landesparteitag in Neuhof wider. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine offizielle Parteidarstellung dar. Alle Informationen beruhen auf eigenen Eindrücken.

© 2025 Mirko Fuchs


 


Entdecke mehr von Hessenpolitik

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.