Warum Eigenverantwortung beim Böllern faktisch gescheitert ist
Willkommen im neuen Jahr 2026.
Kaum hat es begonnen, zeigt es bereits, wie es um Verantwortung und Rücksicht steht. Der Jahreswechsel wurde vielerorts erneut zum Beleg dafür, dass Selbstbeherrschung keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Der folgende Artikel ist deshalb keine moralische Abrechnung, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme dessen, was gleich zu Beginn sichtbar wurde.
Ich lehne Verbote als Selbstzweck ab. Ebenso lehne ich staatliche Bevormundung ab, die erwachsene Menschen wie unmündige Kinder behandelt. Freiheit setzt Eigenverantwortung voraus. Genau an diesem Punkt scheitert die Debatte über private Feuerwerke. Sie ist keine Frage der rechtlichen Zulässigkeit, sondern eine Frage des tatsächlichen Umgangs mit dieser Freiheit. Und dieser Umgang zeigt seit Jahren erhebliche Defizite.
Private Feuerwerke haben ihren früheren Charakter als zeitlich begrenzter Ausnahmezustand verloren. Die Entwicklung ist eindeutig und kontinuierlich. Zunehmende Lautstärke, steigende Sprengkraft, immer frühere Zündzeiten und eine erhebliche Ausdehnung der Dauer. Was früher auf wenige Stunden beschränkt war, erstreckt sich inzwischen über mehrere Tage. Dieses Muster zeigt sich nicht nur allgemein, sondern auch konkret im eigenen Wohnumfeld. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde bereits ab 18:00 Uhr über Stunden hinweg ohne Unterbrechung Feuerwerk gezündet. Pausenlos und ohne erkennbare Rücksicht auf Anwohner, Tiere oder Ruhebedürfnisse. Dieses Verhalten überschreitet den Rahmen dessen, was noch als sozial üblich oder verantwortungsvoll eingeordnet werden kann.
Die Auswirkungen sind seit Jahren bekannt und fachlich dokumentiert. Tiere reagieren auf die akustischen und visuellen Reize mit Stress, Panik und Fluchtverhalten. Haustiere zeigen Angstreaktionen bis hin zu medizinisch relevanten Belastungen. Wildtiere verlieren ihre Orientierung, verletzen sich oder kommen infolge von Stress, Kollisionen oder Verkehrsunfällen zu Schaden oder sterben qualvoll. Besonders betroffen sind Jungtiere. Vögel werden nachts aufgeschreckt und sterben bei Zusammenstößen mit Gebäuden. Diese Folgen sind vorhersehbar, regelmäßig und öffentlich bekannt.
Zusätzlich zeigt die Entwicklung in vielen Großstädten, dass von einem kontrollierten und vernünftigen Umgang mit Feuerwerk nicht mehr ausgegangen werden kann. In dicht besiedelten Bereichen kommt es regelmäßig zu eskalierenden Situationen. Feuerwerkskörper werden gezielt auf Menschen abgefeuert. Personen beschießen sich gegenseitig. Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten werden angegriffen oder behindert. Diese Vorfälle sind wiederkehrend Gegenstand polizeilicher Lageberichte und medialer Berichterstattung. Sie stellen keine Einzelfälle dar, sondern ein strukturelles Problem.
Siehe dazu auch: Artikel – Silvester: Rücksicht, Regeln und öffentliche Ordnung
Vor diesem Hintergrund entfällt jede Argumentation, die auf Unwissenheit oder fehlende Vorhersehbarkeit abstellt. Niemand ist gezwungen, Feuerwerk zu kaufen oder zu zünden. Es besteht weder eine Notwendigkeit noch ein existenzielles Bedürfnis. Der Einsatz erfolgt freiwillig und in Kenntnis der bekannten Folgen. Es handelt sich um eine bewusste Entscheidung für ein kurzfristiges Vergnügen unter Inkaufnahme von Belastungen, Gefährdungen und Schäden für andere Lebewesen sowie für die öffentliche Sicherheit. Diese Entscheidung kann rechtlich zulässig sein, ist aber nicht frei von Verantwortung.
Eine pauschale Berufung auf persönliche Freiheit greift deshalb nicht. Freiheit endet dort, wo vorhersehbare und vermeidbare Schäden entstehen. Wer Kritik mit Tradition, Gewohnheit oder zeitlicher Begrenzung abwehrt, ersetzt Verantwortung durch Gleichgültigkeit. Wo elementare Rücksichtnahme dauerhaft fehlt, kann Selbstregulierung nicht mehr als gegeben vorausgesetzt werden.
Private Feuerwerke stehen damit exemplarisch für ein gesellschaftliches Problem. Nicht der Staat und nicht ein mögliches Verbot sind der Kern der Auseinandersetzung. Entscheidend ist eine Haltung, die das eigene Vergnügen über nachweisliche Folgen für andere stellt. Wo diese Haltung überwiegt und Einsicht ausbleibt, entsteht Regulierungsdruck nicht aus Ideologie, sondern aus der Notwendigkeit, vermeidbare Schäden zu begrenzen.
Disclaimer: Dieser Text stellt eine persönliche Meinungsäußerung im Sinne des Art. 5 Abs. 1 GG dar. Er enthält keine Tatsachenbehauptungen über konkret identifizierbare Personen, Nachbarn, Gruppen oder Organisationen. Die Schilderungen zum eigenen Wohnumfeld dienen der Darstellung individueller Erfahrungen und begründen keine Vorwürfe gegenüber bestimmten Personen. Allgemeine Hinweise auf Entwicklungen in Großstädten beziehen sich auf öffentlich dokumentierte Vorgänge. Der Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und stellt keine rechtliche Bewertung einzelner Sachverhalte dar.
© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert
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