Linke Geschichtsklitterung im Bundestag

Die Leistung der Gastarbeiter verdient Respekt, aber keine erfundene Nachkriegsgeschichte

Man kann die Leistung der Gastarbeiter-Generation anerkennen, ohne die Geschichte umzuschreiben. Viele Menschen aus Italien, der Türkei, Griechenland, Spanien und anderen Ländern haben unter harten Bedingungen gearbeitet und zum wirtschaftlichen Aufstieg der Bundesrepublik beigetragen. Das ist unbestritten.

Was aber nicht stimmt: dass Gastarbeiter den unmittelbaren Wiederaufbau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Straßen und Städte getragen hätten.

Genau diesen Eindruck erweckte der Linken-Abgeordnete Ferat Koçak in seiner Bundestagsrede vom 25. Juni 2026. Dort stellte er sinngemäß die Frage, wer die im Krieg zerstörten Straßen wieder aufgebaut habe, und verwies auf Gastarbeiter wie seinen Opa. Das klingt emotional, passt politisch gut in die linke Erzählung und ist historisch dennoch schief.

Der Zweite Weltkrieg endete 1945. Der Wiederaufbau begann unmittelbar danach, also in den späten 1940er-Jahren und in den 1950er-Jahren. Das erste Anwerbeabkommen der Bundesrepublik mit ausländischen Arbeitskräften wurde aber erst 1955 mit Italien geschlossen. Das Abkommen mit der Türkei folgte sogar erst 1961. Türkische Gastarbeiter konnten also nicht die zentrale Kraft des unmittelbaren Wiederaufbaus nach Kriegsende gewesen sein.

Noch deutlicher wird es, wenn Koçaks Großvater Anfang der 1970er-Jahre aus Anatolien nach Deutschland kam. Dann kann er selbstverständlich im Straßenbau hart gearbeitet haben. Das verdient Respekt. Aber Anfang der 1970er-Jahre ist nicht der Wiederaufbau der zerbombten Nachkriegszeit. Das sind fast drei Jahrzehnte nach Kriegsende. So viel Kalender sollte man auch links der Realität noch bedienen können.

Der Wiederaufbau nach 1945 wurde in erster Linie von den Menschen geleistet, die damals hier lebten und arbeiteten: Bauarbeiter, Handwerker, Kriegsheimkehrer, Frauen, Verwaltungen, Unternehmen und viele andere, die ein zerstörtes Land wieder funktionsfähig machen mussten. Auch das Bild der „Trümmerfrauen“ ist historisch differenziert zu betrachten, aber die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten begannen lange vor der massenhaften Anwerbung von Gastarbeitern.

Die ehrliche Einordnung lautet: Gastarbeiter haben dieses Land ab den 1950er- und besonders ab den 1960er-Jahren wirtschaftlich mitgeprägt. Sie haben in Fabriken, auf Baustellen, im Straßenbau, in der Industrie und in vielen anderen Bereichen gearbeitet. Sie waren Teil des Wirtschaftswunders und haben zum Wohlstand beigetragen.

Aber sie haben Deutschland nicht 1945 aus den Trümmern geholt.

Genau deshalb ist Koçaks Aussage so daneben. Aus einer realen Lebensleistung wird eine politisch aufgeladene Legende. Statt die tatsächlichen Verdienste der Gastarbeiter sauber zu würdigen, wird Geschichte zur Kulisse für linke Moralrhetorik gemacht.

Anerkennung ja. Geschichtsklitterung nein.

Deutschland wurde nach 1945 von den Menschen wieder aufgebaut, die damals hier lebten und arbeiteten. Gastarbeiter kamen später hinzu und leisteten anschließend einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufstieg und Ausbau des Landes. Wer beides vermischt, erzählt keine Geschichte, sondern betreibt politische Propaganda mit Familienalbum.


Disclaimer: Dieser Beitrag ist eine politische Meinungsäußerung und historische Einordnung auf Grundlage öffentlich zugänglicher Informationen. Die Lebensleistung der Gastarbeiter-Generation wird ausdrücklich anerkannt. Kritisiert wird die zeitlich ungenaue Darstellung des unmittelbaren Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiertes Symbolbild


 


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