Private Weidezäune sollen verschwinden, während staatliche ASP-Zäune zur Todesfalle für Wildtiere werden können. Offenbar wird mit zweierlei Maß gemessen.
Die Untere Naturschutzbehörde des Lahn-Dill-Kreises fordert Tierhalter auf, ungenutzte mobile Weidezäune im Winter abzubauen. Die Begründung ist nachvollziehbar: Rehe, Hirsche und andere Wildtiere können sich darin verfangen, schwer verletzen oder qualvoll verenden. Wer seiner Verpflichtung nicht nachkommt, muss unter Umständen sogar mit einem behördlichen Verfahren rechnen.
Und damit hat die Naturschutzbehörde vollkommen recht!
Ungenutzte Weidezäune gehören abgebaut. Darüber gibt es nichts zu diskutieren. Doch genau hier beginnt eine bemerkenswerte Doppelmoral.
Während private Tierhalter an ihre Verantwortung erinnert werden, durchziehen kilometerlange staatlich veranlasste ASP-Schutzzäune unsere Wälder. Sie sollen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest verhindern, behindern aber gleichzeitig natürliche Wildwechsel und können für andere Wildtiere zur tödlichen Falle werden.
Dass diese Gefahr keineswegs nur theoretisch besteht, zeigen dokumentierte Vorfälle im benachbarten Siegerland. Dort haben sich Rehe in ASP-Schutzzäunen verfangen und sind qualvoll verendet.
Ein totes Reh bleibt ein totes Reh. Ganz gleich, ob es sich in einem privaten Weidezaun oder einem staatlich errichteten ASP-Zaun verfangen hat.
Besonders interessant ist die Argumentation der Naturschutzbehörde. Sie verweist auf das Vermeidungsgebot des Bundesnaturschutzgesetzes. Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft sollen vermieden oder zumindest so gering wie möglich gehalten werden.
Ein richtiger Grundsatz. Nur sollte dieser nicht ausschließlich dann besonders energisch eingefordert werden, wenn private Tierhalter betroffen sind.
Selbstverständlich können ASP-Schutzzäune zur Seuchenbekämpfung notwendig sein. Aber auch staatliche Maßnahmen müssen regelmäßig auf ihre Erforderlichkeit und ihre Auswirkungen auf andere Wildtiere überprüft werden. Nicht mehr benötigte Zaunabschnitte gehören konsequent zurückgebaut.
Warum erfahren wir eigentlich so wenig darüber, wie viele Wildtiere sich in diesen ASP-Zäunen verletzen oder darin verenden? Wer dokumentiert diese Fälle? Und welche Konsequenzen werden daraus gezogen?
Wer von privaten Tierhaltern verlangt, vermeidbares Tierleid zu verhindern, muss sich bei staatlichen Schutzmaßnahmen an denselben tierschutzfachlichen Maßstäben messen lassen.
Es kann nicht sein, dass beim privaten Weidezaun mit gesetzlichen Pflichten und behördlichen Verfahren argumentiert wird, während die Gefahren staatlicher Zäune öffentlich deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten.
Tierschutz darf nicht davon abhängen, wem ein Zaun gehört oder wer ihn aufgestellt hat.
Deshalb meine Frage an die Verantwortlichen im Lahn-Dill-Kreis: Wenn ungenutzte private Weidezäune wegen ihrer Gefährlichkeit entfernt werden müssen, welche konkreten Maßnahmen werden dann ergriffen, um Wildtiere vor den Gefahren der staatlichen ASP-Zäune zu schützen?
Oder hört die Konsequenz beim Tierschutz genau dort auf, wo der Staat selbst Verantwortung trägt?
Disclaimer: Dieser Beitrag gibt meine persönliche Meinung auf Grundlage der zum Veröffentlichungszeitpunkt bekannten Informationen wieder. Die Kritik richtet sich gegen staatliche Maßnahmen, nicht gegen einzelne Personen. Eine fortlaufende Aktualisierung ist nicht vorgesehen.
© 2026 Mirko Fuchs
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