Verantwortung beginnt nicht mit dem Anspruch auf einen Posten

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Wenn persönliche Ambitionen wichtiger werden als Erfahrung, Kompetenz und Zusammenhalt.

Es gibt Entwicklungen in politischen Organisationen, die mich zunehmend nachdenklich machen. Da wird über das Alter von Menschen diskutiert, als wäre das Geburtsdatum plötzlich ein Maßstab für politische Kompetenz.

Natürlich braucht Politik junge Menschen. Neue Ideen, frischen Wind und Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Aber genauso braucht sie Erfahrung, Sachkenntnis und Menschen, die wissen, was Verantwortung im wirklichen Leben bedeutet.

Eine gute Mischung aus Jung und Alt ist kein Problem, das man beseitigen muss. Sie ist eine Stärke, die man erhalten sollte.

Ein Generationswechsel allein ist noch kein Fortschritt.

Wer glaubt, allein aufgrund seiner Jugend einen Anspruch auf Verantwortung zu haben, verwechselt Erneuerung mit persönlichem Ehrgeiz.

Nicht jeder, der Verantwortung übernehmen möchte, bringt automatisch die dafür notwendige Erfahrung mit. Das ist zunächst kein Vorwurf. Jeder hat einmal angefangen. Problematisch wird es erst, wenn die Bereitschaft zu lernen fehlt und die eigene Überzeugung, alles besser zu wissen, an die Stelle von Sachkenntnis und Respekt tritt.

Was mich allerdings stört, ist eine Haltung, die sinngemäß lautet: „Platz da, jetzt komme ich!“

Wer Verantwortung übernehmen möchte, sollte zunächst verstehen, was Verantwortung bedeutet. Dazu gehören Respekt vor der Leistung anderer, die Bereitschaft zuzuhören und die Einsicht, dass man nicht automatisch alles besser weiß, nur weil man jünger ist.

Besonders problematisch wird es, wenn aus persönlichem Ehrgeiz Lagerdenken entsteht.

Dann besteht die Gefahr, dass es irgendwann nicht mehr um gemeinsame Ziele geht, sondern um Einfluss, Positionen und persönliche Befindlichkeiten.

Und genau hier beginnt ein Problem, das weit über einzelne Ämter und Funktionen hinausreichen kann.

Innerorganisatorische Auseinandersetzungen dürfen nicht zum Maßstab kommunalpolitischer Zusammenarbeit werden. In den Fraktionen sitzen Menschen, die Verantwortung gegenüber den Bürgern tragen. Dort sollten Sachfragen entschieden und keine persönlichen Rivalitäten ausgetragen werden.

Wer Konflikte von einer politischen Ebene auf die nächste überträgt, gefährdet Vertrauen und erschwert die gemeinsame Arbeit. Am Ende leiden darunter nicht nur die Beteiligten, sondern möglicherweise auch die politischen Ziele, für die man eigentlich gemeinsam angetreten ist.

Politische Verantwortung ist kein Selbstbedienungsladen für persönliche Ambitionen.

Ich habe überhaupt nichts gegen junge Menschen in verantwortlichen Positionen. Im Gegenteil. Aber ich erwarte von ihnen dieselbe Ernsthaftigkeit, denselben Respekt und dieselbe Bereitschaft zur Zusammenarbeit wie von allen anderen.

Erfahrung ist kein Makel. Jugend ist kein Verdienst. Und Selbstbewusstsein ersetzt weder Kompetenz noch Charakter.

Niemand muss jahrzehntelange Erfahrung vorweisen, um gute Ideen einzubringen. Aber wer Verantwortung übernehmen möchte, sollte auch bereit sein, von denen zu lernen, die schon länger dabei sind.

Denn politische Arbeit lebt nicht davon, dass sich einzelne Menschen möglichst schnell in den Vordergrund drängen. Sie lebt davon, dass unterschiedliche Generationen ihre Fähigkeiten einbringen, sich gegenseitig respektieren und gemeinsam etwas erreichen.

Wer Verantwortung übernehmen will, sollte zuerst zeigen, dass es ihm um die gemeinsame Sache geht und nicht nur um den eigenen Platz am Tisch.


Disclaimer: Dieser Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Meinung der Autorin wieder. Er beschäftigt sich grundsätzlich mit politischer Verantwortung, persönlicher Eignung, Generationenwechsel und innerorganisatorischer Zusammenarbeit. Die dargestellten Einschätzungen sind allgemeine Werturteile und keine Tatsachenbehauptungen über bestimmte Personen. Eine Herabwürdigung einzelner Menschen ist nicht beabsichtigt.

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