Der Wald wird zum Regelpark

Wie man in NRW Mountainbiker Schritt für Schritt aus der Natur drängen will

Die nächste Salami-Scheibe der Einschränkungspolitik kommt diesmal aus dem Wald in Nordrhein-Westfalen. Natürlich wieder gut gemeint. Natürlich wieder im Namen von Sicherheit, Ordnung und Naturschutz. Und natürlich trifft es am Ende wieder die normalen Menschen, die einfach ihre Freizeit draußen verbringen wollen, statt zuhause vor Bildschirmen zu verstauben.

Der geplante Entwurf zur Änderung des Landesforstgesetzes in Nordrhein-Westfalen könnte für Mountainbiker massive Einschränkungen bedeuten. Nach den bisher bekannten Regelungen soll Radfahren künftig nur noch auf ausgewiesenen Wegen und bestimmten Fahrwegen erlaubt sein. Damit würden viele schmale Waldwege faktisch tabu werden. Genau jene Wege also, die das Mountainbiken überhaupt erst ausmachen.

Denn niemand kauft sich ein Mountainbike, um anschließend ausschließlich über breite Forstautobahnen zu rollen, während links und rechts schweres Gerät den Wald bearbeitet.

Besonders widersprüchlich wirkt diese Entwicklung deshalb, weil der Wald seit Jahren immer stärker technisch und wirtschaftlich genutzt wird. Riesige Forstmaschinen hinterlassen tiefe Spuren, Schneisen werden geschlagen, Windkraftanlagen entstehen mitten in Waldgebieten und schwere Fahrzeuge verdichten Böden dauerhaft. Doch ausgerechnet der normale Mountainbiker auf einem schmalen Pfad soll plötzlich als Problem dargestellt werden.

Natürlich gibt es rücksichtslose Menschen. Die gibt es überall. Es gibt Mountainbiker, die sich danebenbenehmen. Es gibt aber genauso Wanderer, Hundebesitzer, Motorradfahrer oder andere Waldbesucher, die Regeln missachten oder Konflikte verursachen. Statt gezielt gegen tatsächliche Probleme vorzugehen, setzt man jedoch immer häufiger auf pauschale Verbote und Einschränkungen. Das scheint inzwischen die bequemste Form moderner Politik geworden zu sein.

Dabei zeigen viele Regionen längst, dass Zusammenarbeit deutlich besser funktioniert als Verbotskultur. Dort arbeiten Vereine, Waldbesitzer und Nutzer gemeinsam an Lösungen, die Rücksicht, Naturschutz und Freizeit miteinander verbinden. Genau solche Modelle bräuchte es eigentlich mehr. Stattdessen wächst der Eindruck, dass man den Menschen den freien Aufenthalt in der Natur zunehmend nur noch unter Auflagen gestatten möchte.

Der eigentliche Konflikt geht dabei längst über das Thema Mountainbike hinaus. Es geht um eine grundsätzliche Entwicklung in diesem Land. Immer mehr Lebensbereiche werden reglementiert, beschildert, eingeschränkt und überwacht. Selbst im Wald entsteht zunehmend der Eindruck, dass spontane Freiheit nicht mehr erwünscht ist. Der Bürger darf sich bewegen, aber bitte nur noch auf exakt definierten Korridoren.

Besonders problematisch dürfte am Ende die praktische Umsetzung werden. Wer entscheidet künftig, welcher Weg erlaubt ist? Welche Breite genügt? Was passiert bei fehlender Kennzeichnung oder widersprüchlicher Beschilderung? Solche Regelungen schaffen nicht automatisch Klarheit. Sie schaffen oft vor allem Unsicherheit, Konflikte und Frust.

Am Ende droht eine Entwicklung, die niemandem wirklich hilft. Mehr Spannungen zwischen Waldbesuchern, mehr Bürokratie und ein weiteres Stück verlorene Freiheit im Alltag.

Und das alles in einer Zeit, in der ständig von Gesundheit, Bewegung, Nachhaltigkeit und Naturerlebnis gesprochen wird. Offenbar gilt das jedoch nur solange, wie Menschen die Natur exakt so nutzen, wie es irgendeine Behörde vorgesehen hat. Deutschland im Jahr 2026. Selbst im Wald scheint man inzwischen Parklinien ziehen zu wollen.


Disclaimer: Dieser Beitrag stellt eine politische und gesellschaftliche Meinungsäußerung dar. Die rechtliche Ausgestaltung des Gesetzesentwurfs bleibt abzuwarten und kann sich im weiteren Verfahren noch ändern.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert


 


Entdecke mehr von Hessenpolitik

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.