Warum die CDU mehr über die AfD spricht als über ihre eigenen Fehler
Wer diese CDU-Broschüre liest, erkennt schnell: Hier entsteht der Eindruck, dass weniger die politische Auseinandersetzung auf Augenhöhe als vielmehr die Abgrenzung von einem politischen Wettbewerber im Mittelpunkt steht. Über viele Seiten wird die AfD als demokratisches Risiko beschrieben, während eine kritische Betrachtung eigener politischer Versäumnisse nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Das allein ist bereits bemerkenswert. Denn die CDU war über viele Jahre eine der prägenden Regierungsparteien Deutschlands. Sie stellte Bundeskanzler, Minister und Ministerpräsidenten. Zahlreiche Entwicklungen, die heute kontrovers diskutiert werden, entstanden in einer Zeit, in der die Union maßgebliche politische Verantwortung trug.
Statt sich ausführlich mit den Gründen auseinanderzusetzen, warum immer mehr ehemalige CDU-Wähler zur AfD wechseln, beschäftigt sich die Broschüre vor allem mit der politischen Abgrenzung zur AfD. Das kann bei manchen Lesern den Eindruck erwecken, dass die Analyse des politischen Gegners einen größeren Raum einnimmt als die Auseinandersetzung mit den eigenen Fehlern und Herausforderungen.
Besonders auffällig ist die politische Logik der Veröffentlichung. Die CDU beschreibt die AfD als Gefahr für Deutschland. Kritiker werfen ihr jedoch vor, dabei die Motive und Sorgen vieler AfD-Wähler nicht ausreichend zu berücksichtigen. Wer einen erheblichen Teil der Wählerschaft vor allem durch die Brille politischer Warnungen betrachtet, riskiert möglicherweise eine weitere Vertiefung gesellschaftlicher Gräben.
Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch. Die CDU kritisiert die AfD regelmäßig für eine zugespitzte politische Sprache und eine harte Abgrenzung gegenüber politischen Gegnern. Gleichzeitig wird in der Broschüre nahezu jede Position der AfD in einen grundsätzlich negativen Zusammenhang gestellt. Die Frage, warum bestimmte Themen bei vielen Bürgern Zustimmung finden, tritt dabei häufig in den Hintergrund.
Die eigentliche Schwäche dieser Broschüre liegt jedoch an anderer Stelle. Sie kann bei manchen Lesern den Eindruck politischer Verunsicherung erzeugen. Eine Partei, die von ihren eigenen Ideen überzeugt ist, wird in erster Linie über ihre Konzepte, Ziele und Lösungsansätze sprechen. Hier hingegen steht über weite Strecken die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner im Mittelpunkt.
Viele Bürger beschäftigen Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Energieversorgung, zur Migration, zur inneren Sicherheit oder zur Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen. Sie erwarten Antworten auf diese Herausforderungen. Die Broschüre konzentriert sich dagegen überwiegend auf die Kritik an einer konkurrierenden Partei.
Damit entsteht ein bemerkenswertes Bild: Die AfD wird zum zentralen Thema einer Veröffentlichung, die eigentlich die Positionen der CDU vermitteln sollte. Eigene Zukunftsentwürfe und politische Visionen treten dabei vergleichsweise in den Hintergrund.
Wer die Broschüre liest, könnte daher den Eindruck gewinnen, dass die Auseinandersetzung mit der AfD stärker im Vordergrund steht als eine kritische Aufarbeitung eigener politischer Entscheidungen der vergangenen Jahre. Gerade darin sehen viele Beobachter eine der Ursachen dafür, dass die CDU einen Teil ihrer früheren Stammwählerschaft verloren hat.
Am Ende bleibt deshalb eine unbequeme Frage: Wenn die CDU davon überzeugt ist, die besseren Antworten auf die Herausforderungen der Gegenwart zu haben, warum widmet sie einem politischen Konkurrenten so viel Raum?
Möglicherweise liegt die Antwort genau dort, wo die Broschüre am auffälligsten zurückhaltend bleibt.
Disclaimer: Dieser Beitrag gibt eine politische Meinung und Bewertung wieder. Er dient der öffentlichen politischen Debatte und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die enthaltenen Einschätzungen stellen Werturteile und Meinungsäußerungen dar. Leser können zu denselben Sachverhalten selbstverständlich andere politische Schlussfolgerungen ziehen.
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