Photovoltaik: Erst gefördert, jetzt zur Kasse gebeten

Wer selbst vorsorgt, hat die Rechnung offenbar ohne den Staat gemacht

Jahrelang wurde den Bürgern erzählt: Investiert in Photovoltaik. Kauft Batteriespeicher. Erzeugt euren eigenen Strom. Entlastet die Netze. Werdet unabhängiger.

Viele haben genau das getan.

Mit ihrem eigenen Geld. Zehntausende Euro für Solarmodule, Wechselrichter, Speicher und Installation. Mit dem Ziel, möglichst viel des eigenen Stroms selbst zu erzeugen und möglichst wenig aus dem Netz zu beziehen.

Und jetzt?

Jetzt wird darüber diskutiert, genau diese Menschen stärker zur Kasse zu bitten.

Willkommen in der deutschen Energiewende. Wer politische Forderungen ernst nimmt, darf später offenbar dafür bezahlen.

Weniger Netzstrom? Dann zahlst du eben anders

Im Rahmen der AgNes-Reform arbeitet die Bundesnetzagentur an einer grundlegenden Neuordnung der Netzentgelte. Noch ist nichts endgültig beschlossen. Doch die Richtung der Überlegungen ist bemerkenswert.

Haushalte mit eigener Stromerzeugung, sogenannte Prosumer, könnten künftig über höhere Grundpreise stärker an den Netzkosten beteiligt werden. Auch für Einspeiser und Speicher werden neue Entgeltmodelle diskutiert.

Die Begründung klingt zunächst logisch: Das Stromnetz kostet Geld. Wer wegen seiner PV-Anlage weniger Strom aus dem Netz bezieht, zahlt über verbrauchsabhängige Netzentgelte weniger. Die Infrastruktur muss aber trotzdem vorgehalten werden.

Kann man diskutieren.

Was man allerdings ebenfalls diskutieren sollte, ist die andere Seite der Rechnung.

Und genau dort wird es richtig interessant.

Traumrenditen im regulierten Netzgeschäft

Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft hat die Geschäftszahlen der 18 größten deutschen Verteilnetzbetreiber untersucht.

Das Ergebnis hat es in sich.

Für 2024 errechnete der Verband eine marktanteilsgewichtete handelsrechtliche Eigenkapitalrendite von durchschnittlich 30,1 Prozent.

EWE Netz kam laut Analyse auf 61 Prozent.

Westnetz auf 45 Prozent.

Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom auf 43 Prozent.

Bayernwerk Netz auf 38 Prozent.

Man muss diese handelsrechtlichen Renditezahlen methodisch von der kalkulatorischen Eigenkapitalverzinsung der Netzregulierung unterscheiden. Wer beides einfach gleichsetzt, macht es sich zu leicht.

Aber selbst mit dieser notwendigen Einordnung bleibt eine verdammt unangenehme Frage:

Warum wird zuerst über zusätzliche Belastungen für private Anlagenbetreiber gesprochen, während gleichzeitig derart außergewöhnliche Renditen bei großen regionalen Netzmonopolisten öffentlich diskutiert werden?

Der Bürger ist offenbar immer die einfachste Einnahmequelle

Der Bürger hat investiert.

Der Bürger hat das finanzielle Risiko seiner PV-Anlage getragen.

Der Bürger hat einen Speicher gekauft.

Der Bürger hat seinen Eigenverbrauch optimiert.

Der Bürger hat genau das gemacht, was ihm Politik und Energiewirtschaft jahrelang empfohlen haben.

Und nun stellt man fest: Verdammt, der kauft ja weniger Strom aus dem Netz.

Also braucht man ein neues Preismodell.

Man muss diese Logik erst einmal wirken lassen.

Du sollst Strom sparen. Aber bitte nicht so viel, dass Einnahmen fehlen.

Du sollst selbst Strom erzeugen. Aber bitte nicht so erfolgreich, dass du weniger Netzentgelte zahlst.

Du sollst einen Batteriespeicher kaufen. Aber wenn zu viele Bürger das tun, überlegen wir uns eben, wie wir auch dort wieder Gebühren erheben können.

Das ist keine verlässliche Energiepolitik.

Das ist ein System, bei dem der Bürger niemals gewinnen kann, weil die Spielregeln geändert werden, sobald er beginnt, sie zu seinem Vorteil zu nutzen.

Und währenddessen warten Zehntausende Projekte

Gleichzeitig gibt es nach aktuellen Schätzungen rund 40.000 Projekte, die einen Netzanschluss beantragt oder bereits eine Zusage erhalten haben, aber noch nicht angeschlossen sind.

Der Netzausbau hinkt vielerorts hinterher. Anschlussverfahren dauern. Kapazitäten fehlen.

Und ausgerechnet in dieser Situation präsentiert der Bundesverband Neue Energiewirtschaft Zahlen über außergewöhnlich hohe Renditen großer Verteilnetzbetreiber.

Der Verband verweist zudem auf Berechnungen, wonach Netzkunden perspektivisch um bis zu drei Milliarden Euro jährlich entlastet werden könnten, wenn die tatsächlichen Renditen auf ein niedrigeres Niveau sinken würden.

Drei Milliarden Euro.

Aber statt zuerst jeden Stein im bestehenden System umzudrehen, reden wir über höhere Grundpreise für Menschen mit Solaranlagen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Wer investiert, braucht Verlässlichkeit

Es geht nicht darum, Netzbetreiber zu verteufeln. Stromnetze müssen massiv ausgebaut, modernisiert und digitalisiert werden. Das kostet Milliarden.

Aber dann muss die Politik auch den Mut haben, die gesamte Kostenstruktur offenzulegen und kritisch zu hinterfragen.

Wie entstehen diese Renditen?

Welche Kosten werden anerkannt?

Welche Investitionen wurden tatsächlich umgesetzt?

Wo verzögert sich der Ausbau?

Und warum soll der private Anlagenbetreiber zuerst mehr zahlen, bevor diese Fragen für die Öffentlichkeit vollständig und nachvollziehbar beantwortet sind?

Wer Bürger über Jahre zu privaten Investitionen in die Energiewende drängt, darf anschließend nicht einfach die finanziellen Spielregeln ändern und so tun, als sei das völlig normal.

Denn die Botschaft, die beim Bürger ankommt, ist fatal:

Investiere ruhig.

Vertraue den politischen Rahmenbedingungen.

Gib dein eigenes Geld aus.

Und wenn dein Modell funktioniert, finden wir schon einen Weg, dich nachträglich stärker zur Kasse zu bitten.

So zerstört man Vertrauen.

Nicht in Photovoltaik.

Nicht in Batteriespeicher.

Sondern in politische Verlässlichkeit.

Und irgendwann wird der Bürger bei der nächsten großen staatlichen Empfehlung nur noch müde lächeln und sein Portemonnaie geschlossen lassen.

Vielleicht ist genau das dann die Rechnung, die am Ende wirklich teuer wird.


Disclaimer: Die AgNes-Reform ist noch nicht abschließend beschlossen. Die genannten Renditewerte beruhen auf einer Analyse des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft und sind nicht unmittelbar mit der regulatorischen Eigenkapitalverzinsung gleichzusetzen. Der Beitrag ist eine politische und wirtschaftliche Kommentierung.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI – generiert


 


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