Die IG Metall fordert immer mehr. Wer soll das eigentlich noch bezahlen?

Fünf Prozent mehr Lohn, Gewinnbeteiligung und Arbeitsplatzgarantien. Während die deutsche Industrie unter Druck steht, präsentiert die Gewerkschaft ihren nächsten Forderungskatalog.

Die IG Metall fordert in der Tarifrunde 2026 fünf Prozent mehr Geld, eine zusätzliche Gewinnbeteiligung und die Sicherung von Arbeitsplätzen und Standorten. Man könnte meinen, die deutsche Industrie schwimme im Geld und müsse nur noch daran erinnert werden, es großzügig zu verteilen.

Die Realität sieht vielerorts anders aus. Gerade Automobilzulieferer und Maschinenbauer kämpfen mit hohen Energiekosten, Bürokratie, internationalen Wettbewerbsnachteilen und unsicheren Zukunftsaussichten. Arbeitsplätze werden abgebaut, Investitionen überprüft und Produktionsverlagerungen ins Ausland erwogen.

Doch die IG Metall legt erst einmal neue Forderungen auf den Tisch. Mehr Lohn, mehr Beteiligung, mehr Garantien. Die wirtschaftlichen Grenzen solcher Forderungen scheinen dabei manchmal zweitrangig zu sein.

Natürlich haben Beschäftigte ein berechtigtes Interesse an höheren Einkommen. Aber Geld muss zunächst erwirtschaftet werden, bevor man es verteilen kann. Und wer Arbeitsplätze sichern will, sollte nicht gleichzeitig wirtschaftliche Belastungen riskieren, die genau diese Arbeitsplätze gefährden könnten.

Besonders bemerkenswert ist die Forderung nach einer zusätzlichen Gewinnbeteiligung. Gewinne sollen verteilt werden, während die Unternehmen gleichzeitig Milliarden für Investitionen, neue Technologien und ihre Wettbewerbsfähigkeit benötigen. Wer übernimmt eigentlich die Verluste, wenn die Geschäfte schlecht laufen? Eine tarifliche Gewinnbeteiligung ist jedenfalls kein Ersatz für eine vernünftige Standortpolitik.

Mit immer neuen Forderungen kann man Unternehmen nicht dauerhaft an Deutschland binden. Im Gegenteil: Man liefert ihnen unter Umständen zusätzliche Gründe, künftig lieber im Ausland zu investieren.

Statt die Arbeitgeber immer weiter unter Druck zu setzen, sollte die IG Metall ihre Energie stärker auf diejenigen richten, die wesentliche Standortkosten politisch beeinflussen: die Bundesregierung und die Landesregierungen.

Deutschland braucht bezahlbare Energie, weniger Bürokratie, niedrigere Unternehmensbelastungen und spürbare Entlastungen für Arbeitnehmer. Mehr Netto vom Brutto wäre für Millionen Beschäftigte eine echte Verbesserung, ohne jeden zusätzlichen Euro ausschließlich den Arbeitgebern aufzubürden.

Die Politik macht den Wirtschaftsstandort teuer, und die IG Metall präsentiert den Unternehmen die nächste Rechnung. So wird aus Beschäftigungssicherung schnell das Gegenteil.

Gewerkschaften sollen Arbeitnehmerinteressen vertreten. Dazu gehört aber auch, wirtschaftliche Realitäten anzuerkennen. Denn der beste Tarifvertrag nützt nichts, wenn der Arbeitsplatz nicht mehr existiert.

Vielleicht sollte sich die IG Metall einmal weniger damit beschäftigen, was sie den Unternehmen noch abverlangen kann, und mehr damit, wie diese Unternehmen überhaupt in Deutschland gehalten werden können.

Am Ende bleibt eine einfache Frage:

Was bringen fünf Prozent mehr Lohn, wenn der Arbeitgeber irgendwann entscheidet, dass sich Produktion in Deutschland nicht mehr lohnt?


Disclaimer: Dieser Beitrag gibt meine persönliche Meinung zur Tarifrunde und zur deutschen Wirtschaftspolitik wieder. Die dargestellten Risiken sind keine Prognose für einzelne Unternehmen oder Standorte.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI – generiert


 

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