Wenn Durchhalteparolen Politik ersetzen

30 Minuten Kanzlerrede: Viel Beschwörung, wenig Substanz

Es gibt Reden, nach denen man klüger ist. Es gibt Reden, nach denen man wenigstens versteht, wohin die Reise gehen soll. Und dann gibt es Regierungserklärungen, nach denen man sich fragt, ob man gerade Politik gehört hat oder eine sehr lange Ansage aus dem Wartebereich eines Bürgeramts.

Die aktuelle Regierungserklärung des Kanzlers gehörte leider zur dritten Kategorie.

30 Minuten sprach der Kanzler. 30 Minuten Beschreibung, Beschwichtigung und Beschwörung. 30 Minuten politisches Nebelwerfen mit freundlicher Miene. Es wurde erklärt, dass die Lage schwierig sei, dass man aber zuversichtlich bleiben müsse. Dass Herausforderungen groß seien, aber Chancen ebenfalls. Dass Deutschland viel könne, wenn es nur wolle. Kurz gesagt: Die Regierung steht vor einem brennenden Haus und verteilt Motivationskarten.

Besonders bemerkenswert war dieser Satz:

„Ich wünsche uns, dass wir keine Angst haben. Wir haben allen Anlass, mutig zu sein. Wir können die Ziele erreichen.“

Ja. Können wir.

Wir könnten auch bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wir könnten die Energiepreise senken. Wir könnten die illegale Migration wirksam begrenzen. Wir könnten den Staat verschlanken. Wir könnten unsere Infrastruktur reparieren, die innere Sicherheit stärken, Schulen sanieren, Bürger entlasten und endlich aufhören, jedes politische Versagen mit noch mehr Geld, noch mehr Bürokratie und noch mehr warmen Worten zuzuschütten.

Wir könnten sehr viel.

Die entscheidende Frage ist nur: Warum passiert es dann nicht?

Denn genau hier liegt das Problem dieser Regierungserklärung. Sie klang nicht wie der Bericht eines Kanzlers, der die Lage im Griff hat. Sie klang wie der Versuch, eine Bevölkerung zu beruhigen, die längst merkt, dass die Dinge aus dem Ruder laufen. Wer ständig Mut beschwören muss, sollte vielleicht zuerst erklären, warum so viele Menschen überhaupt Angst haben. Angst vor dem sozialen Abstieg. Angst vor steigenden Kosten. Angst vor unsicheren Innenstädten. Angst vor einem Staat, der bei den Fleißigen immer schneller kassiert und bei den Problemen immer langsamer handelt.

Der Kanzler redete von Zuversicht. Viele Bürger erleben aber Alltag. Und der ist nicht aus Sonntagsreden gebaut, sondern aus Stromrechnungen, Mieten, Steuern, Abgaben, kaputten Straßen, überforderten Schulen und einer Politik, die sich selbst für ihre Absichten feiert, während die Ergebnisse ausbleiben.

Man kann Ziele erreichen. Natürlich. Aber dafür müsste man sie klar benennen. Man müsste sagen, was konkret geändert wird, wer Verantwortung trägt, welche Fehler gemacht wurden und welche Entscheidungen jetzt folgen. Stattdessen gab es die bekannte Mischung aus Durchhalteparole und Selbstvergewisserung. Ein bisschen „Wir schaffen das“, ein bisschen „Bitte bleiben Sie ruhig“, ein bisschen „Vertrauen Sie uns“, obwohl genau dieses Vertrauen längst aufgebraucht ist.

Wer regiert, sollte nicht nur Mut einfordern. Er sollte Mut zeigen.

Mut wäre, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Mut wäre, ideologische Lieblingsprojekte zu beerdigen, wenn sie dem Land schaden. Mut wäre, die Belastung der Bürger nicht länger als Naturgesetz zu behandeln. Mut wäre, den Menschen nicht ständig zu erzählen, wie stark Deutschland sei, während man gleichzeitig jede Woche neue Gründe liefert, daran zu zweifeln.

Diese Rede hat erschüttert zurückgelassen, nicht weil sie dramatisch war, sondern weil sie so leer wirkte. Sie war das politische Äquivalent zu einem Pflaster auf einem Wasserrohrbruch. Nett gemeint, komplett nutzlos.

Deutschland braucht keine Regierung, die uns wünscht, keine Angst zu haben. Deutschland braucht eine Regierung, die endlich Gründe liefert, wieder Vertrauen zu haben.

Und ja, wir können die Ziele erreichen.

Aber sicher nicht, indem man 30 Minuten lang darüber redet, dass man sie erreichen könnte.

Aus meiner Sicht bleibt deshalb nur eine politische Konsequenz: Dieser Spuk aus Beschwichtigungen, Ausreden und endlosen Durchhalteparolen muss beendet werden. Wer wirklich einen Kurswechsel will, wird ihn nicht bei denen finden, die diesen Zustand über Jahre mitverwaltet oder ermöglicht haben. Für mich ist klar: Nur die AfD steht derzeit glaubwürdig für den politischen Bruch mit diesem Weiter-so.


Disclaimer: Dieser Beitrag ist ein politischer Kommentar und stellt eine persönliche Meinungsäußerung dar. Er erhebt keinen Anspruch auf vollständige Darstellung aller politischen Hintergründe und bewertet die Regierungserklärung aus einer ausdrücklich kritischen Perspektive.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI – generierte Satire


 


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