ASP-Zäune: Der Preis wird in Blut bezahlt

Wenn aus Seuchenschutz Tierquälerei wird

Man wird sich an solche Bilder wohl gewöhnen müssen.

Oberhalb der Dillquelle am Rothaarsteig hat sich ein Reh in einem der neu errichteten ASP-Schutzzäune verfangen.

Was dort geschehen ist, lässt einen nicht mehr los.

Ein Bekannter schilderte mir ein verzweifelt kämpfendes Reh, gefangen im Draht. Das Tier habe geschrien, sich immer wieder loszureißen versucht und sich dabei schwer verletzt. Der Hinterlauf schien gebrochen zu sein, überall Blut. Eine Befreiung sei nicht mehr möglich gewesen. Schließlich wurden Polizei und Jagdpächter verständigt.

Wer solche Bilder sieht oder diese Schreie hört, versteht schlagartig, was in den offiziellen Verlautbarungen über Zäune, Sperrzonen und Seuchenschutz oft nicht vorkommt:

Diese Anlagen sind nicht nur Barrieren für Wildschweine. Sie werden auch zu gefährlichen Hindernissen für andere Wildtiere.

Eine technische Lösung mit brutalem Nebeneffekt

Seit Monaten werden Millionenbeträge in Zäune, Sperrgebiete und Kontrollmaßnahmen investiert. Die Bevölkerung soll glauben, dass damit die Afrikanische Schweinepest aufgehalten wird. Doch während auf Karten Linien gezogen und Kilometerzahlen verkündet werden, spielt sich draußen eine andere Realität ab.

Rehe, Hirsche und anderes Wild kennen keine politischen Entscheidungen und keine behördlichen Sperrzonen. Sie nutzen seit Generationen dieselben Wechsel und Wanderwege. Dort, wo plötzlich kilometerlange Drahtbarrieren entstehen, kommt es zwangsläufig zu Konflikten.

Die eigentliche Tragik liegt darin, dass die Folgen meist unsichtbar bleiben. Kaum jemand sieht die Tiere, die verletzt werden. Kaum jemand hört ihre Schreie. Kaum jemand dokumentiert, was nachts im Wald geschieht.

Der Vorfall am Rothaarsteig zeigt auf bedrückende Weise, dass ein Konzept, das eigentlich schützen soll, selbst erhebliches Tierleid verursachen kann.

Natürlich ist die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ein legitimes Ziel. Doch eine Maßnahme darf nicht allein danach bewertet werden, ob sie auf dem Papier funktioniert. Sie muss sich auch daran messen lassen, welche Schäden sie an anderer Stelle anrichtet.

Wer kilometerlange Zäune durch sensible Wildlebensräume zieht, muss sich kritischen Fragen stellen. Wie viele Tiere werden verletzt? Wie viele verenden unbemerkt? Wie viele Wanderwege werden dauerhaft unterbrochen?

Diese Fragen verdienen Antworten.

Denn für das Reh am Rothaarsteig kamen sie zu spät.


Disclaimer: Der geschilderte Vorfall beruht auf Angaben eines Augenzeugen (siehe Video). Aussagen zu Verletzungen und Zustand des Tieres beruhen auf dessen Schilderung. Die Bewertung der ASP-Zäune stellt eine Meinungsäußerung dar.

© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert
, Video: Vom Vorfall – Privat


 


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