Artenschutz darf nicht enden, nur weil er politisch unbequem wird
Ich sage es ganz klar: Ich bin pro Wolf. Nicht, weil ich Probleme in der Weidetierhaltung kleinreden will. Nicht, weil mir gerissene Nutztiere egal wären. Und auch nicht, weil ich irgendeiner romantischen Märchenwald-Vorstellung hinterherlaufe, in der Wolf, Schaf und Landwirt gemeinsam Händchen halten.
Ich bin pro Wolf, weil der Wolf zu unserer Natur gehört. Weil Artenschutz nicht nur dann gelten darf, wenn er bequem ist. Und weil eine Politik, die bei den ersten lauten Forderungen nach Abschussquoten einknickt, am Ende gar keinen echten Naturschutz betreibt.
Wenn in Hessen nun darüber gesprochen wird, bis zu 40 Prozent der Jungwölfe zum Abschuss freizugeben, dann ist das für mich ein gefährlicher Irrweg. Hier geht es nicht um einzelne auffällige Tiere, die nachweislich immer wieder geschützte Nutztiere reißen. Darüber kann und muss man im Einzelfall sachlich reden. Hier geht es um eine pauschale Logik gegen Wolfsnachwuchs. Und genau da hört für mich das Verständnis auf.
Jungwölfe sind keine politischen Sündenböcke. Sie sind keine Verwaltungsmasse und keine Prozentzahl in einem Managementplan. Sie sind junge Wildtiere in hochsozialen Rudelstrukturen. Wer dort pauschal eingreift, riskiert nicht nur Tierleid, sondern auch eine Destabilisierung genau jener Rudel, die man angeblich kontrollieren will.
Der Abschuss von Wolfswelpen schützt auch keine Weide dauerhaft. Er ersetzt keinen vernünftigen Herdenschutz, keine wolfsabweisenden Zäune, keine Herdenschutzhunde, keine schnelle Entschädigung und keine ehrliche Unterstützung für Tierhalter. Wer wirklich helfen will, muss genau dort ansetzen. Alles andere ist Symbolpolitik mit Gewehr.
Natürlich haben Schäfer, Landwirte und Tierhalter berechtigte Sorgen. Wer Tiere hält, trägt Verantwortung, investiert Zeit, Geld und Herzblut. Wenn Tiere gerissen werden, ist das kein kleiner Vorfall, sondern ein echter Schaden. Aber gerade deshalb braucht es durchdachte Lösungen statt pauschaler Abschussfantasien. Wer den Konflikt nur über die Flinte lösen will, macht es sich zu einfach.
Für mich ist klar: Der Wolf darf nicht wieder zum Feindbild gemacht werden, nur weil Politik und Verwaltung beim Herdenschutz zu langsam, zu bürokratisch oder zu bequem sind. Der Staat muss Tierhalter unterstützen, aber er darf den Artenschutz nicht opfern, um kurzfristig Ruhe in eine aufgeheizte Debatte zu bringen.
Besonders bitter ist, dass solche Vorhaben gerne mit Begriffen wie „Bestandsmanagement“ verpackt werden. Das klingt sachlich, fast harmlos. Tatsächlich geht es um das Töten von Jungtieren. Man kann Dinge sprachlich polieren, bis sie glänzen. Der Kern bleibt trotzdem hässlich.
Wer pro Wolf ist, muss nicht gegen Landwirte sein. Und wer Weidetierhalter ernst nimmt, muss nicht automatisch für pauschale Abschüsse sein. Genau diese falsche Gegenüberstellung vergiftet die Debatte. Es braucht Herdenschutz, klare Regeln für echte Problemfälle und eine Politik, die nicht jedes Mal nervös wird, sobald Lobbydruck entsteht.
Der Wolf ist kein Haustier, kein Kuscheltier und kein Symbol für eine heile Welt. Er ist ein Wildtier. Und Wildtiere gehören nicht nur dann zur Natur, wenn sie niemanden stören. Echte Natur ist nicht immer bequem, nicht immer kontrollierbar und nicht immer passend zur nächsten Pressemitteilung.
Deshalb lehne ich pauschale Abschussquoten für Jungwölfe ab. Sie sind ökologisch fragwürdig, ethisch schwer zu rechtfertigen und politisch ein fatales Signal. Wer Artenschutz ernst nimmt, darf nicht bei den Jungtieren anfangen zu rechnen.
Hessen braucht keinen Wolfsnachwuchs auf der Abschussliste. Hessen braucht vernünftigen Herdenschutz, ehrliche Unterstützung für Tierhalter und den Mut, den Wolf als Teil unserer heimischen Natur zu akzeptieren.
Alles andere ist keine Lösung. Es ist Kapitulation vor dem Lärm der Abschusslobby.
Disclaimer: Dieser Artikel ist eine persönliche politische Meinungsäußerung zum Thema Wolf und Artenschutz. Er ersetzt keine rechtliche Bewertung des endgültigen Wolfsmanagementplans.
© 2026 Mirko Fuchs
Foto: KI-generiert
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